Wir retten unsere Freie Schule Tecklenburger Land!

Wir – Eltern, LernbegleiterInnen, SchülerInnen und UnterstützerInnen der Freien Schule Tecklenburger Land in Ibbenbüren – sind in großer Sorge um unsere Schule. Seit Monaten sehen wir uns verstärkten Schulkontrollen und heftiger Kritik seitens der Schulaufsicht in der Bezirksregierung Münster ausgesetzt. Wir halten diese Kritik für unangemessen und unbegründet. Nach mehreren Gesprächen mit den zuständigen Personen rechnen wir dennoch damit, dass die Bezirksregierung uns die Genehmigung zum Betrieb unserer beiden Schulen (Primarstufe der Jahrgänge 1-4 und Sekundarstufe der Jahrgänge 5-10) tatsächlich schon bald entziehen wird. Wir werden uns selbstverständlich dagegen wehren, indem wir gegen den erwarteten Bescheid Klage einreichen und eine einstweilige Verfügung zum Weiterbetrieb beantragen. Wir sind sehr optimistisch, dass die Freie Schule Tecklenburger Land auch weiterhin ihre Türen offen hält.

Wir sind von dieser besonderen Schule überzeugt und werden nicht nur im Schulalltag, sondern auch öffentlich für ihr Weiterbestehen eintreten. Die voraussichtlich bevorstehende Auseinandersetzung wird viel Kraft, Nerven und auch Geld kosten. Dafür brauchen wir jede Unterstützung.

Die Freie Schule Tecklenburger Land wurde 2010 (Sekundarstufe) bzw. 2011 (Primarstufe) als private Ersatzschule gegründet und zeichnet sich nicht nur durch jahrgangs- und fächerübergreifende Arbeit aus, sondern unter anderem auch dadurch, dass SchülerInnen hier freiwillig und bis einschließlich Jahrgang acht ohne Notendruck lernen. Neben speziellen Kursen und „vernetztem Unterricht“ nimmt die „Freiarbeit“ einen großen Teil des Schulalltags ein, in der die SchülerInnen sich selbst gewählten Aufgaben widmen. Wir sind überzeugt, dass alle Menschen ein Bedürfnis nach Lernen haben und sehen uns täglich darin bestätigt. Wir wollen dieses Bedürfnis lebendig halten, anstatt es zu verschütten. Hinter der Schule steht der Verein „Freie Schule Tecklenburger Land e.V.“, in dem die Eltern der SchülerInnen unserer Schule, die LernbegleiterInnen sowie weitere UnterstützerInnen Mitglied sind. Die Schule steht also von Anfang an auf den Schultern überzeugter Eltern und UnterstützerInnen.

Schon bei der Gründung haben wir die Genehmigung und damit die formale Gleichstellung mit allen anderen Schulen erst auf gerichtlichem Wege erreicht. Unsere besondere Art der Schulkonzeption wurde damals genehmigt und kann daher heute nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Wir rechnen auch jetzt damit, dass vor Gericht in unserem Sinne entschieden wird. Nach fast acht Jahren erfolgreicher Arbeit werden bereits im vierten Jahr bei uns Schulabschlüsse (meist der Realschulabschluss mit und ohne Qualifikation für die Oberstufe) vergeben. Sie zeigen deutlich, dass auch die fachlichen Ergebnisse nicht hinter anderen Schulen zurückstehen – und dass, obwohl (oder, wie wir finden: gerade weil!) die Kinder und Jugendlichen bei uns sehr viel selbstbestimmter, freier und im eigenen Tempo arbeiten und leben können. Für uns ist die Entwicklung der Jugendlichen zu freien und selbstbewussten Menschen das wichtigste, was eine Schule leisten kann. Wir erleben unsere SchülerInnen und AbsolventInnen als mündige Menschen, die sehr bewusst mit ihrer Umgebung umgehen. Die Arbeit an den Schulfächern im Sinne der Lehrpläne wird von den LernbegleiterInnen der Schule gut vorbereitet angeboten und findet weitgehend freiwillig und deswegen oft viel intensiver statt. Viele positive Rückmeldungen bestätigen uns, dass diese Art von freier Alternativschulpädagogik eine wichtige Ergänzung zu unserem Regelschulsystem ist.

Die Bezirksregierung führt bei ihrer voraussichtlich beabsichtigten Schließung zwei verschiedene Begründungen an:

  • inhaltlich wird die fachliche und formale Gleichwertigkeit unserer Schule gegenüber den Regelschulen angezweifelt. Die geringe SchülerInnenzahl (derzeit 14 in der Primarstufe und

    63 in der Sekundarstufe), die Ausbildung der LernbegleiterInnen und die schuleigenen Lehrpläne werden dabei angeführt. Es gibt aber keine Untergrenze bei der SchülerInnenzahl von Privatschulen und tatsächlich wird die Primarstufe im nächsten Jahr auch deutlich größer sein. Alle LernbegleiterInnen haben eine behördliche Unterrichtsgenehmigung, so dass auch die fachliche Qualität des Personals kein Problem ist und auch von uns selbst sehr wichtig genommen wird. Da wir jahrgangs- und fachübergreifend arbeiten, haben wir gar keine andere Möglichkeit, als die Lehrpläne des Landes NRW auf unsere Art des Unterrichts anzupassen. Tatsächlich werden auch bei uns alle Kompetenzen der Lehrpläne NRW vermittelt. Wir berufen uns auf das grundgesetzlich geschützte Recht auf Errichtung einer privaten Ersatzschule (Art. 7 GG), sofern diese nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen. Da auch unsere AbgängerInnen an den zentralen Abschlussprüfungen des Landes NRW teilnehmen und dort gute Ergebnisse zeigen, können wir diese Argumente weder nachvollziehen noch akzeptieren.

  • finanziell wird behauptet, dass wir unzulässiges Schulgeld von den Eltern verlangen. Durch ein entsprechendes Verbot in der Landesverfassung NRW soll die Spaltung der Gesellschaft

    verhindert werden. Die Eltern unserer SchülerInnen zahlen zwar freiwillige Elternbeiträge an den Förderverein, doch sind diese nach Einkommen gestaffelt und entsprechen etwa den Kindergartengebühren im Kreis Steinfurt. Die Familien unserer Schule sind sozial bunt gemischt. Wir sind keine Schule für reiche Eltern, sondern ganz im Gegenteil auch für Menschen mit wenig Geld offen. So zahlen einige Eltern mehr und andere sind von der Zahlung komplett befreit.

    Wir fordern eine unvoreingenommene und sachgerechte schulfachliche Prüfung durch die Bezirksregierung. Dabei muss die besondere Konzeption der Freien Schule Tecklenburger Land angemessen berücksichtigt werden. Wenn die existierenden Unterschiede zur Regelschule als Beleg für die Ungleichwertigkeit herangezogen werden, wird die gesamte Schulaufsicht für Schulen wie unsere zur Farce. Gerade die Akzeptanz der besonderen Konzeption, die bei uns genauso wie an vielen anderen Reformschulen in NRW und ganz Deutschland zur einer erfolgreichen Arbeit ganz eigener Art führt, ist für eine sachgerechte Kontrolle notwendig. Wir sind sicher, dass sich bei einer solchen angemessenen Prüfung die Kritik auflöst und wollen in Zukunft gerne und offen mit der Bezirksregierung zusammen arbeiten.

page2image3744272

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen